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Dreifaltigkeitskirche Burgau

 

Historie

Eine um 1330 erstmals erwähnte mittelalterliche Dorfkirche befand sich wohl auch infolge des Dreißigjährigen Krieges in einem ruinösen Zustand. In den Jahren 1701 bis 1703 wurde an der Stelle und unter Nutzung von Teilen des romanischen Vorgängerbaus die einschiffige barocke Kirche mit zwei Reihen Holzemporen und einer gewölbten, bemalten Holzdecke errichtet. Der Stifter des Kirchenneubaus war Friedrich von Kospoth (1630 – 1701), Pächter des Kammergutes Burgau. Er starb am 4. Oktober 1701, im gleichen Jahr, in dem er den Grundstein für die neue Kirche gelegt hatte. Seine Ehefrau Johanna Sophia führte den Bau zu Ende. Die Einweihung erfolgte am 23. Oktober 1703 durch den Jenaer Superintendenten Michael Zulichen. Der mumifizierte Leichnam Friedrich von Kospoths wurde vorher in einem Prunksarg in der Krypta unter dem Altarraum beigesetzt. Im September 1741 erhielt die Kirche drei neue in Ammerbach gegossene Glocken.

Um 1880 wurde das Kircheninnere im Zeitgeschmack verändert: der helle Farbanstrich an den Wänden wurde durch graubraune Steinimitationen ersetzt. Auch Kanzelaltar und Orgelprospekt wurden neu gefasst. Anstelle der hellbeigen Farbfassungen wurden Holzimitationen aufgebracht. Diese Ausgestaltung blieb bis Ende der 1990er Jahre bestehen. Am 20.08.1867 wurde der bekannte Zoologe Ernst Heinrich Philipp August Haeckel in dieser Kirche getraut.

 

Innenausstattung

Das eindrucksvollste Ausstattungsstück der Kirche ist ohne Zweifel der acht Meter hohe schön gestaltete Kanzelaltar. Ihm gegenüber auf der Westseite der ersten Empore befindet sich die Orgel, die 1793 vom Orgelbauer Christian Poppe aus Stadtroda geschaffen wurde. Sie besitzt 19 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Zurzeit ist sie nicht spielfähig. Es laufen Vorbereitungen für eine grundhafte Instandsetzung des wertvollen Instrumentes. Aus der Erbauungszeit der Kirche stammt ein barocker Taufengel. Er schwebt über dem Taufstein mit einem Halbkugelbecken aus dem Jahre 1798. Beide befinden sich auf der Südseite im vorderen Teil des Kirchenschiffes. Zur wertvollen Ausstattung der Kirche gehört auch das Epitaph für Friedrich von Kospoth im Altarraum. Es besitzt reiches Schnitzwerk und ein Schriftfeld mit Angaben zu Leben und Wirken des Kirchenstifters. Das Epitaph bedarf auch noch der Restaurierung. Aus der Erbauungszeit stammt der historische Steinfußboden im Chorraum und in Teilen des Kirchenschiffs. Es ist ein Mosaikfußboden bestehend aus rotbraunen Ziegelsteinen und weißen Kalkmörtelfeldern.

Prunksarg von Friedrich von Kospoth in der Gruft der Burgauer Kirche (Fotoautor unbekannt)

Mumifizierter Leichnam des Friedrich von Kospoth in der Gruft der Burgauer Kirche (Fotoautor unbekannt)

Restaurierung

Als Folge von massiven Bauschäden drohte Anfang der 1990er Jahre der Turm auf das Kirchenschiff zu stürzen. Die erforderlichen umfangreichen Stabilisierungsarbeiten dauerten bis 1998 an. Sie bezogen sich auf die Stabilisierung des Turmes sowie des Tragwerkes für das Kirchendach. Die Turmhaube wurde anschließend neu verschiefert und das Kirchendach neu eingedeckt. In den 2000er Jahren richtete sich das Hauptaugenmerk auf die Innenrestaurierung der Kirche. Nach gründlicher Befundung erhielt sie wieder ihr ursprüngliches barockes Aussehen mit hellbeigen Farben an Wänden und der gewölbten Decke sowie Vergoldungen an den Säulenkapitellen. Auch Kanzelaltar, Taufengel und Orgelprospekt wurden auf ihr barockes Aussehen zurückgeführt. In mehreren Etappen wurde schließlich auch der historische Mosaikfußboden saniert und grundhaft gereinigt. Zur Restaurierung der Poppe-Orgel sind Gutachten und Kostenangebote eingeholt worden. Aufgrund der sehr guten Akustik des Kirchenraumes soll die Kirche zukünftig verstärkt auch als Konzertkirche genutzt werden. Dass die Kirche wieder im alten Glanz erstrahlt, ist wesentlich einer Mäzenin aus der alten Bundesrepublik zu danken, die früher in Burgau lebte.

Die Dreifaltigkeitskirche ist als Kulturdenkmal und als Teil eines Denkmalensembles geschützt.

Traugott Keßler

 

Abnahme der Turmhaube 1993 zur Stabilisierung des Turmes und Erneuerung der Schiefereindeckung des Haubendachs (Fotoautor unbekannt)

 

Weiterführende Literatur

Maetzig, D. (2020): „Die Burgauer“ ehren Ernst Haeckel. - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2020: 98-99

Seibt, S. (2007): 750 Jahre Burgau an der Saale. Geschichtlicher Abriss 1257 bis 2007. – Burgau, 96 S.

Seibt, S. & T. Keßler (2014): Burgauer Kirchenbuch. Die Geschichte der Burgauer Kirche und der Kirchengemeinde von 1914 bis 2014. – Jena-Burgau, 98 S.

Rupp, M. (2022): Die Burg Burgau bei Jena. – Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2022, S. 19-54

Zahn, A. (2025): Kirchliche Verhältnisse in Burgau an der Saale bis zur Reformation. Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2025, S. 37-44

https://www.kirchbauverein-jena.de/unsere-kirchen/burgau/

 

Blick auf die Dreifaltigkeitskirche vor 1935 (Sammlung Frank Stephan)