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Hofanlage Geraer Straße 81 (Kulturdenkmal)

 

Die ansehnliche Vierseit-Hofanlage Geraer Straße 81 mit großem Gewölbekeller und historischer Hauseingangstür mit schöner Kassettenschnitzerei wurde wahrscheinlich um 1605 errichtet und gehörte zu den ältesten und größten Bauerngütern Burgaus. Sie kündet von einer das Dorf beherrschenden Stellung ihrer Eigentümer. Der massive Torbogen, von einem mehrgliedrigen Tor verschlossen, bestärkt den Eindruck. Alles ist einfach, zweckmäßig, dauerhaft. Die vielen auf die Straße gerichteten Fenster! Was mögen sie alles gesehen haben?

 

Hofanlage Geraer Straße 81 (Foto H. Mey 1973)

 

Das Gehöft war wie das benachbarte Grundstück Geraer Straße 79 ein großes Bauerngut. Doch anders als dieses zeigt das Wohnhaus dem Dorf seine Breitseite. Auch für dieses Gehöft erhalten wir erst für das 18. Jahrhundert plausible Angaben zu den Besitzern und Bewirtschaftern. Um 1730 ist der fürstliche Rat und Jenaer Universitätsprofessor Dr. Johann Wilhelm Dietmar Eigentümer des Bauerngutes. ‚Dietmarsches Gut‘ wird das Gehöft landläufig genannt. Der Eigentümer verpachtete das Gut an einheimische oder zugewanderte Bauern. Wir kennen einige – Michael Große, Johann Georg Müller, Carl Christoph Zipfel - auch weitere. Der gut bestallte Jurist legte sein Vermögen in aktivem Grundbesitz an. Er übersah und beherrschte die einzuhaltenden juristischen Gesetze. Dietmar pachtete Land dazu, so dass der Hof mit 27 Hektar ein ansprechender Landwirtschaftsbetrieb wurde. Auch Acker vom Drackendorfer Gutsbesitzer, dem Herrn von Ziegesar, ist darunter. Dietmar verstarb. Ein Sohn, der Kandidat der Rechtswissenschaften Friedrich Christian Dietmar, trat das Erbe an. Offenbar hatte er Miterben zu befriedigen, doch er erreichte die Einkünfte seines Vaters nicht. Er verschuldet sich. Über Jahrzehnte zogen sich die Gerichtsprozesse zwischen dem Freiherrn von Ziegesar und Dietmar hin. Er konnte seine Schulden mindern, doch nicht begleichen. Schließlich erfahren wir, Frau Dillart, Böttchermeisterswitwe aus Jena, kaufte das Bauerngut und verpachtete es. Noch 1776 tat sie das. 1770 war Johann Andreas Keßler in Burgau fürstlicher Amtsverwalter und Pächter des Burgauer Gutes geworden. Er starb 1788. Der Kontakt zu Amt und Gut erlischt. 1796 wurde sein 1763 geborener Sohn Johann Ernst Anton Keßler Eigentümer des ehemaligen Dietmarschen Bauerngutes genannt. Johann Ernst Anton Keßler gewann als Burgauer Dorfrichter Einfluss auf Burgau, den er in den folgenden Jahren festigen konnte. Sein Sohn, Johann Christian Friedrich Keßler, kümmerte sich um seinen Landwirtschaftsbetrieb und bekleidete keine öffentlichen Ämter, doch zwei seiner Kinder traten wieder in das öffentliche Leben. Seine Tochter Hulda Friederike Keßler wurde die Ehefrau des Lobedaer Fleischermeisters Rodigast. Sein Sohn Gottlieb August Keßler heiratete die Frau seines Nachbarn, Henriette Friederike Jecke, und wurde bereits mit 28 Jahren der in Burgau von 1860 bis 1906 am längsten amtierende Bürgermeister. Von seinem Haus aus führte er auch seine Amtsgeschäfte. Auf Grund des Ansehens, dass er sich im Dorf erworben hatte, wurde nach seinem Tode im Jahr 1916 die Kirchgasse in Keßlerstraße umbenannt. Die drei Töchter von Gottlieb August Keßler führten keine Ehen, so dass das Erbe in der Familie weitergegeben wird. Im 20. Jahrhundert verliert das Gehöft seine landwirtschaftliche Bedeutung und wird von den Erben grundlegend modernisiert.

Dietmar Maetzig

 

 

Weiterführende Literatur

Fiebig, W. (2007): Bürgermeister Kessler und die Treffs. – In: Rohnstock, K. & R. Müller (2007): Das Dorf lebt, Bewohner erzählen Geschichten aus Burgau. – quartus-Verlag, 1. Aufl., Bucha bei Jena, S. 107-110

Maetzig, D. (2015): Burgau und seine Höfe (2). - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2015: 35-101

Maetzig, D. (2021): Burgauer (1). - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2021: 94-104