Sie befinden Sie auf dem Historischen Ortsrundgang von Burgau.
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Alte Schmiede

 

Auf das attraktive klassizistische Gebäude der ehemaligen Burgauer Schmiede treffen wir unweit der Saalebrücke. Häufig fasziniert die schmucke Hausfassade in der Geraer Straße Ortsfremde und lässt sie hinter ihr ein herrschaftliches Gebäude vermuten. Doch ihr historischer Wert liegt bei dem der Binderburg: Die Binderburg, ein attraktives neuzeitliches Wohnhaus, dass sich der Kirchenbaumeister Adolf Binder von Burgauer Handwerkern errichten ließ und die schmucke Schmiede, die sich der Schmiedemeister Johann Friedrich Heinrich Trautvetter 1804 als Wohn- und Werkhaus auf dem schmalen Lehdenstreifen zwischen dem Burgauer Burgberg und der Dorfstraße errichten ließ, sind beides Wohnhäuser. Grund und Boden an der Dorfstraße mögen knapp und von hohem Preis gewesen sein. Für Schmiedearbeiten war das Grundstück nur bedingt geeignet. Der Hof ist so klein, dass die Pferde auf dem Bürgersteig vor dem Haus beschlagen werden mussten. Allerdings auch eine übliche Praxis. Hatte der attraktive Anblick des Gebäudes über den ungeeigneten Standort hinwegzuhelfen? 1812 verkaufte Trautvetter das Grundstück an den Schmiedemeister Wilhelm Friedrich und 1818 geht es für 410 Taler von Friedrich an den Meister Georg Friedrich Schmidt. Im gleichen Jahr reicht er es für ebenfalls 410 Taler an Wilhelm Wetzel aus Roschütz weiter. Wetzel verkauft es 1824 für 350 Taler an Meister Barth. Und Barth kann das Schmiedegehöft 1835 für 700 Taler an den Schmiedemeister Gottlieb Fickert abgeben und nun bleibt es für ein anderthalbes Jahrhundert geachteter und erfolgreicher Sitz der Familie Fickert. Sie betreibt ihr Gewerbe hier erfolgreich, stellt schließlich Bürgermeister und beteiligt sich in Burgau aktiv und überlegt daran, Kultur und aufgeschlossene Lebensweise einzuführen. So war Alfred Fickert von 1906 bis zu seinem Tod 1936 Bürgermeister von Burgau. Damit diente sein Haus auch als Standesamt.

Nach dem Weltkrieg erstarb die Schmiedetätigkeit in Burgau. Auch die Sprengung der Saalebrücke im Jahr 1945 ging an dem Gebäude nicht spurlos vorbei. Das Haus war Wohnhaus und beherbergte auch einmal eine Zahnarztpraxis. Ein Einsturz des Felsens im Rücken des Gebäudes veranlasste die Eigentümer, das Gehöft in staatliche Hand zu geben. Heute ist es wieder ein Wohngrundstück in privater Hand. Nach dem Kauf durch Andreas Alster wurde es um das Jahr 2000 liebevoll saniert.

Weiter südlich stand der historische Gasthof Burgau. 1756 kauften 30 rechtsfähige Gemeindebürger die günstig am Saaleübergang gelegene Gemeindegaststätte für 1000 meißnische Gulden und verpachteten sie. Goethe hatte hier gern Saalefisch gegessen, so dass Burgau in einem Gedicht erwähnt wird und auch in die klassische Literatur eingegangen ist.

Die Lustigen von Weimar

Donnerstag nach Belvedere,
Freitag gehts nach Jena fort;
Denn das ist, bei meiner Ehre,
Doch ein allerliebster Ort!
Samstag ists, worauf wir zielen,
Sonntag rutscht man auf das Land;
Zwätzen, Burgau, Schneidemühlen
Sind uns alle wohlbekannt.

Johann Wolfgang von Goethe 1813

 

In jüngerer Zeit war sie als „Wasserelse“ beliebt. Illegal verschwand 1992 die historisch wertvolle Bohlenscheune, 2007 musste der Gasthof dem Bau der Straßenbahn weichen. Allein die 1835 erbaute Kegelhalle überlebt als Gaststätte „Am Wehr“.

 

Blick auf die Alte Schmiede von Südosten (Foto H. Mey 1960er oder 1970er Jahre)

Dietmar Maetzig

Alte Bohlenscheune am Felsen unterhalb der Burgruine Burgau (Foto H. Mey 1960er oder 1970er Jahre)

Blick auf die Gaststätte und ehemalige Kegelbahn, heute Gaststätte „Am Wehr“ (Foto H. Mey 1960er oder 1970er Jahre)

 

 

 

Weiterführende Literatur

Maetzig, D. (2015): Familie Fickert. - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2015: 11-24

Maetzig, D. (2015): Burgau und seine Höfe (2). - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2015: 35-101

Seibt, S. (2007): 750 Jahre Burgau an der Saale. Geschichtlicher Abriss 1257 bis 2007. – Burgau, 96 S.

https://www.projekt-gutenberg.org/goethe/gedichte/chap109.html