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Mühlengehöft mit Wasserkraftwerk und Wehr (Kulturdenkmal)
Die unentwegt zu Tage tretende Kraft der Saale wird in Burgau wohl schon lange genutzt. Von 1447 stammt unsere älteste Nachricht von einer mit Wasserkraft getriebenen Burgauer Getreidemühle. Sie gehörte zum Burgauer Gut, einem regionalen Großbetrieb. Die Arbeit der Mühlen ist ernst und verantwortungsvoll. Sie wird beständig und erfolgreich betrieben, doch wir besitzen kaum Kenntnisse von ihr. Wir haben von einer Schneidemühle und einer Getreidemühle erfahren, die beide Seiten der Mühllache säumten. Die Arbeit ihrer Mühlen war den Burgauern so wesentlich, dass sie sich fortwährend mit ihr befassten, und nicht an ausdauernde Aufzeichnungen über ihre Arbeit dachten. Die Mühlen lagen an der dem Dorf zugekehrten Seite des Flusses, etwa in der Höhe der Schmiede.
Die Schneidemühle trennte Baumstämme zu Balken, Bohlen und Brettern und war damit eine Grundlage für den Häuserbau. Die Interessenten an ihrer Arbeit reichten bis tief ins Hinterland. Die Getreidemühle bereitete aus den Getreidekörnern verschiedene Mehle und Schrote. Im 18. Jahrhundert wurde die Mühle zu einer Erbpachtmühle umgewandelt. Zwei komplette Mühlengebäude säumten beide Seiten der Mühllache. Bis 1818 herrschte auch hier noch Mahlzwang. Die Bauern eines Dorfes hatten ihr Getreide in einer zugewiesenen Mühle zu mahlen. In der Burgauer Mühle mussten es die Bürger aus Bucha, Burgau, Kleinkröbitz, Lobeda, Nennsdorf, Rothenstein, Schorba und Winzerla tun.
Auch in der Burgauer Mühle kam es zu Unkorrektheiten. So beanstandeten die Burgauer Mahlgäste 1785 eigenwillige Mühlenumbauten des Erbpachtmüllers Johann Andreas Keßler in der Burgauer Mühle. Sie behinderten das Verfolgen des korrekten Mahlvorganges durch die Mahlgäste. In einem Gerichtsverfahren wiesen das Sachverständigen-Gutachten nach. Dem Mühlenpächter wurde eine Vielzahl Auflagen zu Abänderungen seines Mahlbetriebes erteilt. Er verlor sein Interesse an der Region Burgau und verließ sie.
Blick auf das Mühlengehöft und die Lachebrücke von Süden (Foto H. Mey 1970er Jahre)
Das Burgauer Saaleufer, an dem die Mühlen arbeiteten, bildete ein regelrechtes regionales Gewerbegebiet. Im Laufe der Zeit lösten neue Betriebe alte ab. Der sächsische Unternehmer Dr. phil. Karl Stahl kaufte die Schneidemühle und rüstete sie während seines Mühlenbesitzes von 1838 bis 1873 in eine moderne Holzschliffmühle um. Holzschliff war zu einem Grundstoff der Papier-, Pappe- und Faserplattenproduktion geworden. Stahl erwarb in Burgau auch 12,96 Hektar Ackerland und wurde zu einem modernen Grundbesitzer. Als Stahl verstarb, kaufte Friedrich August Frommhold (1843 – 1895) die Holzschliffmühle 1880 von Stahls Kindern. Sein Schwiegersohn, der Ingenieur Eugen Reclam (1867 -1927), pachtete nach Frommholds Tod die Mühle und führte die Schliffproduktion bereits mit selbst erzeugtem elektrischem Strom durch. Auch die Burgauer Porzellanfabrik und einige Burgauer Häuser belieferte er mit Elektroenergie. Reclams Schwiegermutter verkaufte ihren Betrieb 1908 an die Firma Carl Zeiss, die mit dem Betonbauunternehmen Dykerhoff & Widmann hier eines der zur damaligen Zeit deutschlandweit modernsten Wasserkraftwerke zu ihrer Eigenversorgung mit elektrischem Strom baute. Eine 90 Meter lange Wehranlage staut das Wasser noch immer an. 1912 begann die Stromerzeugung. Das Burgauer Zeiss-Kraftwerk wurde damals zu einem der leistungsfähigsten und modernsten deutschen Kraftwerke. Nach dem zweiten Weltkrieg versuchte die Zeiss-Werkleitung das Zeiss-Unternehmen von der Stromerzeugung zu befreien. Es gelang ihr nicht. Nach der Wiedervereinigung kaufte der hessische Müllermeister Karl Schmidt das noch heute interessante Burgauer Kraftwerk, modernisierte es und betreibt es professionell und erfolgreich weiter. Im 21. Jahrhundert erfolgte ein gelungener Umbau der alten Mühlen- und Wirtschaftsgebäude als Wohnanlage.
Dietmar Maetzig
Blick auf die Mühlengebäude von der Göschwitzer Straße aus (Foto Hans Mey 1973)
Blick in das Burgauer Wasserkraftwerk (Fotoautor unbekannt)
Weiterführende Literatur
Kessler, T. & R. Stedtler (2017): Zur Geschichte des Saalekraftwerkes Burgau. - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2017: 22-27
Maetzig, D. (2015): Burgau und seine Höfe (2). - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2015: 35-101
Marckwardt, W. (2012): Die Burgauer Mühle um 1785. - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2012: 71-78
Rohnstock, K. & R. Müller (2007): Das Dorf lebt, Bewohner erzählen Geschichten aus Burgau. – quartus-Verlag, 1. Aufl., Bucha bei Jena, 134 S.: S. 49
Sturz, R. & M. Mieth (Hrsg.) (2018): JENA - Lexikon zur Stadtgeschichte. - Tümmel Verlag GmbH Berching, 888 S., S. 528