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Alte Burgauer Brücke
Ein Überweg über diese seichte Stelle der Saale gibt es wohl seit einigen Jahrtausenden. Wann die erste Holzbrücke gebaut wurde, ist unbekannt. 1491 folgte die erste steinerne Brücke, die der Jenaer Amtmann Hans Münch aus den Steinen der 1450 zerstörten Lobdeburg bauen ließ. Gewaltsam stellte sich Familie Puster, Besitzer der zerstörten Lobdeburg, dagegen, doch dem Staat war ein sicherer Flussübergang wichtiger. Die Burgauer Burg nutzten die Wettiner.
Ab 1544 wurden an der Brücke Geleitzoll (Straße) und Brückenzoll (Fluss) erhoben. Die Einnahmen schwankten im Laufe des Jahres zwischen 2 und 30 Gulden pro Woche. Flößer, die die Saale passierten, hatten einen Brückenzoll zu zahlen. Beim Passieren der Brücke richteten die Wasserfahrzeuge bisweilen Schäden an der Brücke an. Sie wurden mit dem kassierten Geld beseitigt. Gewöhnlich betrug der Zoll 1 ½ Pfennig pro Baumstamm. Die Brücke passierten auch Flöße mit bis zu 250 Stämmen. In einem Jahr kamen 1.100 bis über 2.400 Flöße zusammen. Der in Burgau wohnende Geleitsmann war für die Zollstelle zuständig. Das Geleit wurde im 17. Jahrhundert an Privatpersonen verpachtet, die in angesehener öffentlicher Stellung standen.
Abb. 1: Brücke um 1925 (Quelle: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71904775/df_hauptkatalog_0119105)
Im Dreißigjährigen Krieg wurde 1637 die Brücke durch schwedische Truppen zerstört. Im Jahre 1706 begann der Wiederaufbau der heute noch imposanten Natursteinbogenbrücke, der 1744 abgeschlossen wurde.
Die Brücke diente dem zunehmenden Verkehr zwischen den Städten Jena und Gera und einer Vielzahl dazwischen liegender Ortschaften. Auch der Austausch zwischen Lobeda und den östlich gelegenen Ortschaften hatte zugenommen. Die schmale, in den 1930er Jahren mit einfacher Ampelregelung ausgestattete Brücke war dem einsetzenden Kraftfahrzeugverkehr nicht mehr gewachsen. 1935 wurde nebenan eine moderne Saalebrücke gebaut. 1942 folgte die Autobahnbrücke bei Göschwitz. In den letzten Kriegstagen, am 01. April 1945, wurden beide Burgauer Saalebrücken - wie auch die Autobahnbrücke - von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Die drei zerstörten Brückenbögen der alten Burgauer Brücke überbrückte man über Jahrzehnte mit einer provisorischen Holzkonstruktion als Fußgängerbrücke. Diese musste Anfang der 1980er Jahre gesperrt werden. Die danach ungenutzte Brücke verfiel. Ab 1992 engagierte sich der „Verein zur Rettung der alten Saalebrücke Jena-Burgau e. V.“ für den Wiederaufbau der steinernen Brücke, der von 2000 bis 2004 nach historischem Original erfolgte. Die feierliche Eröffnung der für den Rad- und Fußgängerverkehr wieder nutzbaren Brücke fand am 03. Oktober 2004 statt.
Abb. 2: Behelfsbrücke nach der Sprengung (Foto H. Mey um 1960)
Die Burgauer Brücke war Ort historischer Ereignisse, spektakulärer Unfälle und grausiger Verbrechen. So fiel in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli 1861 der Schriftsteller Ferdinand Wachter an der Burgauer Brücke einem Raubmord zum Opfer. Ende April 1932 rissen sich zwei Karussellwagen von einem Lastzug los und stürzten in die Saale (Stedtler 2012). 1921 diente sie sogar als Motive auf dem Notgeld der Stadt Lobeda. Heute ist die Brücke ein Wahrzeichen Burgaus und als Kulturdenkmal geschützt.
Ende April 1932 rissen sich zwei Karussellwagen von einem Lastzug los und stürzten in die Saale (Fotoautor unbekannt)
Die schmale Brücke wurde in den 1930er Jahren mit einfacher Ampelregelung ausgestattete (Fotoautor unbekannt)
Postkarte von Burgau an der Saale mit der Alten Burgauer Brücke
Weiterführende Literatur
Marckwardt, W. (2016): Das Geleit auf der Burgauer Brücke im 16. Und 17. Jahrhundert. - Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2015: 24-31
Rohnstock, K. & R. Müller (2007): Das Dorf lebt, Bewohner erzählen Geschichten aus Burgau. – quartus-Verlag, 1. Aufl., Bucha bei Jena, 134 S.; S. 46
Rupp, M. (2024): Bemerkungen zur frühen Baugeschichte der Burgauer Brücke. - Jahrbuch für Geschichte und Naturkunde des Saale-Holzland-Kreises und der Stadt Jena 3: 10-22
Schuhmann, H. & F. Müller (2013): Die Saalebrücke Jena-Burgau. Geschichte und Wiederaufbau von 1990 bis 2004. - Band 26 der Reihe "Dokumentationen" der Städtischen Museen Jena, 127 S.
Stedtler, R. (2008/2009): Burgauer Brücken. – Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2008/2009: 104-107
Stedtler, R. (2012): „Die gefährliche Burgauer Brücke“. – Burgauer Almanach. Beiträge zur Ortsgeschichte 2012: 79-83
Sturz, R. & M. Mieth (Hrsg.) (2018): JENA - Lexikon zur Stadtgeschichte. - Tümmel Verlag GmbH Berching, 888 S.; S.106
https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00029304/notgeld.pdf (aufgerufen am 25.04.2024)
https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Saalebr%C3%BCcke_Jena-Burgau (aufgerufen am 25.04.2024)
https://www.brueckenweb.de/2content/datenbank/bruecken/3brueckenblatt.php?bas=6219 (aufgerufen am 08.11.2024)
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Wachter (aufgerufen am 08.11.2024)